Workshops zeigen, wie verletzlich Demokratie sein kann
Ein Turm aus Jenga-Steinen fällt krachend zu Boden – und im Klassenzimmer wird es plötzlich ganz still. Auf jedem Stein steht ein demokratischer Wert: Meinungsfreiheit, Gewaltenteilung, Respekt. Einer nach dem anderen wurde zuvor von Schüler:innen gezogen, nachdem sie aktuelle politische Entwicklungen aus aller Welt diskutiert hatten – immer dann, wenn sie gemeinsam zu dem Schluss kamen, dass ein demokratischer Wert durch diese Entwicklungen bedroht sein könnte. Als der Turm schließlich zusammenbricht, wird sichtbar, was zuvor theoretisch klang: Demokratie kann ins Wanken geraten – manchmal schneller als gedacht.
Mit diesem und weiteren interaktiven Formaten war das Demokratiemobil in den vergangenen zwei Wochen an acht Schulen im gesamten Landkreis unterwegs. Insgesamt rund 750 Schüler:innen nahmen an den Workshops teil. Stationen waren nahezu alle Schulformen – von der Mittelschulen in Dachau, Erdweg oder Bergkirchen über Realschulen wie in Odelzhausen und Gymnasien wie in Karlsfeld bis zur Berufsschule Dachau.
Im Mittelpunkt der Workshops stand die Frage: Was macht Demokratie aus, was gefährdet sie – und wie schützen wir sie? Neben dem Jenga-Spiel setzten sich die Jugendlichen mit Debattenkultur in Deutschland auseinander, diskutierten zentrale Merkmale einer liberalen Demokratie, priorisierten Werte für das gesellschaftliche Zusammenleben und entwickelten konkrete Ideen, wie sie selbst und ihre Mitschüler:innen im Alltag Demokratie leben und stärken können.
„Der Moment, in dem der Turm zusammenfällt, ist für viele ein Aha-Erlebnis“, sagt Emely, Teamerin beim Demokratiemobil. „Plötzlich wird klar: Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie lebt davon, dass Menschen hinschauen, mitreden und Verantwortung übernehmen.“
Die Workshops sind Teil eines Bildungsangebots, das über die Partnerschaft für Demokratie durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ sowie Erasmus+ gefördert wird. Ziel ist es, jungen Menschen niedrigschwellige Zugänge zu Themen wie Demokratie, Grundrechte und Extremismusprävention zu ermöglichen. Das Ganze geschieht auf Augenhöhe: den alle Methoden werden partizipativ gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt und umgesetzt.
Für den Demokratietrainer Daniel Wagner vom Kreisjugendring (KJR) ist diese Arbeit heute wichtiger denn je: „Demokratiebildung bedeutet mehr als Faktenwissen. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen junge Menschen diskutieren, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und erleben, dass ihre Meinung zählt und Demokratie etwas unglaublich tolles ist.“
Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung brauche es solche Angebote, betont Wagner. „Wenn wir wollen, dass Demokratie langfristig stabil bleibt, müssen junge Menschen früh erfahren, wie sie funktioniert – und welche Rolle sie selbst darin spielen. Projekte wie das Demokratiemobil leisten genau das.“
Die große Resonanz der Schulen bestätigt diesen Bedarf. Lehrkräfte berichten von engagierten Diskussionen, neuen Perspektiven und sehr positiven Rückmeldungen der Jugendlichen.
Für die Veranstalter:innen ist deshalb klar: Demokratiebildung muss langfristig gestärkt werden.
„Rund 750 erreichte Schüler:innen in zwei Wochen zeigen, wie groß das Interesse und der Bedarf sind“, sagt Wagner. „Demokratische Kompetenzen entstehen nicht nebenbei. Sie müssen gelernt, erlebt und geübt werden. Deshalb brauchen solche Projekte verlässliche Unterstützung und langfristige Perspektiven.“






