Wer Erasmus+ hört, denkt häufig zuerst an Auslandssemester oder internationale Jugendbegegnungen. Für Jugendringe und andere Träger der Jugendarbeit bietet das Programm jedoch deutlich mehr. Die Erfahrungen des Kreisjugendrings Dachau zeigen: Von lokaler Jugendbeteiligung über europäische Partnerschaften bis hin zu Fachkräfte- und Jugendmobilitäten lassen sich mit Erasmus+ ganz unterschiedliche Vorhaben entwickeln – und teilweise erstaunlich niedrigschwellig beginnen.
Ein besonders interessanter Einstieg ist Erasmus+ Jugendpartizipation. Das Format ermöglicht Beteiligungsprojekte mit jungen Menschen, ohne dass zwingend eine internationale Dimension erforderlich ist. Damit eignet es sich beispielsweise für Jugendfestivals, Beteiligungsprozesse, politische Bildung oder die Stärkung selbstorganisierter Jugendstrukturen.
Der Kreisjugendring Dachau nutzt diese Möglichkeit inzwischen für mehrere Projekte. Das partizipative 57 Festival findet im kommenden Jahr bereits zum vierten Mal statt. Im Projekt „Beteiligungsvielfalt gestalten“ geht es darum, unterschiedliche Formen der Jugendbeteiligung weiterzuentwickeln – von Beteiligungsgremien über selbstorganisierte Strukturen bis hin zu konkreten Beteiligungsprojekten. In einem weiteren Projekt werden Peer-Coaches qualifiziert, die unter anderem mit einem Demokratiemobil und Workshops an Schulen aktiv werden. Inhaltliche Schwerpunkte sind politische Bildung, mentale Gesundheit und die Stärkung einer friedensorientierten Haltung.
Interessant ist dabei nicht nur die finanzielle Förderung. Die Programme bieten auch die Möglichkeit, Projektideen im Austausch mit den zuständigen Erasmus+-Strukturen und der deutschen Koordinierungsstelle Jugend für Europa weiterzuentwickeln. So kann aus einer ersten Idee schrittweise ein tragfähiges Projekt entstehen. Jugend für Europa unterstützt beginnend mit einer ersten Projektskizzenberatung die Entwicklung und sukzessive Fortentwicklung von Projekten.
Von der ersten Partnerschaft zum europäischen Netzwerk
Wer europäische Partner kennenlernen und eine Zusammenarbeit erproben möchte, findet mit den Small-scale Partnerships ein weiteres interessantes Einstiegsformat. Daraus können später größere Kooperationspartnerschaften, Netzwerke oder gemeinsame Jugendbegegnungen entstehen.
Der Kreisjugendring Dachau arbeitet derzeit in zwei solchen Partnerschaften. Im European Youth Participation Network steht gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Südtirol die Weiterentwicklung von Jugendpartizipation im Mittelpunkt. Eine weitere Partnerschaft beschäftigt sich mit europäischer Erinnerungsarbeit und verbindet Dachau unter anderem mit der Gedenkstätte Lidice und der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim. Aus diesen zunächst kleineren Kooperationen sollen in den kommenden Jahren größere europäische Partnerschaften entstehen.
Europa erleben: Jugend- und Fachkräftemobilitäten
Zu den klassischen Erasmus+-Bereichen gehören die Jugendmobilitäten, insbesondere Jugendbegegnungen, sowie Mobilitäten für Fachkräfte der Jugendarbeit. Der Kreisjugendring Dachau ist für Jugendmobilitäten akkreditiert und knüpft dabei unter anderem an die langjährige Internationale Jugendbegegnung in Dachau an. Themen sind Erinnerungsarbeit ebenso wie gegenwärtige Formen von Ausgrenzung, Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit.
Parallel entstehen neue Begegnungsformate, etwa zu Jugendkultur oder für junge Menschen mit jugendpolitischen Mandaten. Fachkräftemobilitäten wiederum eröffnen die Möglichkeit, voneinander zu lernen, europäische Ansätze kennenzulernen und die eigene Organisation fachlich weiterzuentwickeln.
Nach ersten Erfahrungen kann man sich überlegen, ob man über die Akkreditierung bei Erasmus+ den Antragsaufwand für die einzelnen Mobilitäten deutlich reduziert. Ab dann ist der Verwaltungsaufwand wirklich übersichtlich.
Und Erasmus+ ist noch nicht alles
Weitere Möglichkeiten eröffnet das Europäische Solidaritätskorps (ESK). Jugendorganisationen können beispielsweise Solidaritätsprojekte junger Menschen begleiten oder sich im Europäischen Freiwilligendienst als Entsende- oder Aufnahmeorganisation engagieren.
Darüber hinaus reicht die europäische Förderlandschaft von Erasmus+ Berufsbildung bis in den Hochschulbereich. Nicht jedes Programm passt unmittelbar zur klassischen Jugendarbeit – Kooperationen und neue Schnittstellen können aber auch hier interessant sein.
Für Jugendringe liegt darin eine große Chance: Europäische Arbeit muss nicht mit einem großen internationalen Projekt beginnen. Sie kann mit einem lokalen Beteiligungsprojekt, einer ersten kleinen Partnerschaft oder einer Fachkräftemobilität starten und sich Schritt für Schritt entwickeln.
So wird Erasmus+ nicht nur zu einem Förderprogramm für einzelne Projekte, sondern zu einem Instrument, mit dem sich Jugendringe selbst europäisieren können. Vor allem aber entstehen dadurch für junge Menschen neue Räume zum Lernen, Mitgestalten, Austauschen und Begegnen – vor Ort und in ganz Europa.






