Rechtliche Grundlagen

Nach § 13 SGB VIII leisten Jugendsozialarbeiter an der Schule Jugendsozialarbeit. Jugendsozialarbeit richtet sich an solche Kinder und Jugendlichen, „die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind. (Ihnen) sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung (….) und ihre soziale Integration fördern.“

Nach § 81 SGB VIII arbeiten Jugendsozialarbeiter an der Schule mit öffentlichen Einrichtungen und Institutionen im Umfeld der Schule zusammen. Sie vernetzen den schulischen Lebensraum mit anderen Jugendhilfeleistungen.

Ziele – Aufgaben – Arbeitsbereiche

  1. Jugendsozialarbeit an Schulen richtet sich an junge Menschen mit gravierenden sozialen und erzieherischen Problemen, die zum Ausgleich von Benachteiligungen bzw. zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind. Ziel ist es, deren Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern. Schule ist ein geeigneter Ort, an dem die Jugendhilfe mit ihrem Leistungsspektrum frühzeitig und nachhaltig auf junge Menschen einwirken und auch Eltern rechtzeitig erreichen kann. Durch den Einsatz von sozialpädagogischem Fachpersonal direkt an der Schule wird ein niederschwelliges Hilfeangebot geschaffen.
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  2. Jugendsozialarbeit an Schulen richtet sich an junge Menschen, die durch ihr Verhalten, insbesondere durch erhebliche erzieherische, psychosoziale und familiäre Probleme, Schulverweisung, erlebte Aggressivität und Gewaltbereitschaft auffallen, deren soziale und berufliche Integration aufgrund von individuellen und / oder sozialen Schwierigkeiten sowie aufgrund eines Migrationshintergrundes erschwert ist.
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  3. Junge Menschen werden bei Bedarf beraten, um Lebensbewältigungsstrategien im Alltag, Schule, Ausbildung und Beruf zu entwickeln. Der Erwerb von sozialen Kompetenzen und Arbeitstugenden sowie die Befähigung zur Konfliktbewältigung sollen mit Methoden der sozialen Gruppenarbeit sowie durch Angebote von Trainingskursen ermöglicht werden. Die soziale Integration wird gezielt durch Kontakte im Gemeinwesen angebahnt und unterstützt.
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  4. Eltern und sonstige Erziehungsberechtigte werden bei Bedarf mit dem Ziel beraten, die Lösung innerfamiliärer Probleme und solchen des sozialen Umfeldes zu ermöglichen. Bei gravierenden familiären oder erzieherischen Problemen kann unter Regie des Jugendamtes auch die Vermittlung anderer Leistungen der Jugendhilfe angezeigt sein. Eltern und sonstige Erziehungsberechtigte sollen zur intensiven Zusammenarbeit mit der Schule und gegebenenfalls anderen Einrichtungen der Jugendhilfe motiviert und bei der eigenständigen Wahrnehmung von Erziehungsaufgaben und beim Aufbau förderlicher Sozialisations- und Erziehungsbedingungen unterstützt werden.
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  5. Die Jugendsozialarbeit an Schulen ist insbesondere mit den sozialen Diensten des Jugendamtes, den Erziehungsberatungsstellen, den schulischen Beratungsdiensten, den Suchtberatungsstellen, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, dem Arbeitsamt sowie mit Kindertageseinrichtungen und der offenen und verbandlichen Jugendarbeit zu vernetzen und zu koordinieren. Die strukturelle Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz ist auszubauen.

Arbeitsfelder

Beratung
Durch die ständige Präsenz der Fachkraft haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und sich Rat zu holen. Das Angebot sollte informellen Rat als auch formelle Beratungsprozesse zu fest vereinbarten Terminen erfassen. Vertraulichkeit und Freiwilligkeit sind Grundprinzipien der Beratung.

Die Schweigepflicht der Fachkraft wird nur dann aufgehoben, wenn die Schülerin oder der Schüler akut selbst- oder fremdgefährdend ist. Die nötigen Maßnahmen müssen zur Gefahrenabwehr unmittelbar eingeleitet werden.

Aus der Beratung kann sich eine längerfristige, sozialpädagogische Begleitung im Schulalltag, gegebenenfalls Kooperation mit externen Beratungsstellen entwickeln.

Die Fachkraft bietet bei Bedarf eigene Unterrichtseinheiten im Bereich des sozialen Lernens an, die von ihr in Zusammenarbeit mit der Klassenlehrkraft durchgeführt werden.

Individuelle Förderung
Für die Jugendsozialarbeit ist die Einzelfallhilfe eine zentrale pädagogische Aufgabe im Bemühen, Benachteiligungen abzubauen, Stigmatisierungen entgegen zu wirken und präventive, individuelle Hilfeleistungen anzubieten. In einem individuellen Förderungsprozess mit den Schülerinnen und Schülern wird ein differenziertes Unterstützungsinstrumentarium entwickelt, um zielgerichtete Hilfen anbieten zu können.

Es werden sozialpädagogische Ansätze wie Familienarbeit, soziale Gruppenarbeit oder Sozialraumorientierung einbezogen. Die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften ist wegen des häufigen Zusammenhangs der Einzelfallhilfe in schulbezogenen Leistungen, Problemsituationen oder Konflikten unerlässlich.

Sozialpädagogische Gruppenarbeit
Sozialpädagogische Gruppenarbeit umfasst ein breites Spektrum möglicher Angebote mit unterschiedlichen Zielen und Organisationsformen. Dazu zählt:

  • Zielgruppen- und themenorientierte Angebote mit spezifischen Interessen und Fragestellungen als Ausgangspunkt für gemeinsame Aktivitäten und Erfahrungen
  • Gruppenangebote zur Verbesserung persönlicher und sozialer Kompetenz.
  • Angebote für ganze Schulklassen, z.B. soziales Kompetenztraining, sozialpädagogische Begleitung von Klassenfahrten, sofern diese die Bewältigung sozialer und persönlicher Probleme im Klassenverband zum Ziel haben und entsprechend gestaltet ist, sowie Krisenintervention bei Schulklassen im Schulalltag.

Konfliktbewältigung
Eine wichtige Aufgabe der Jugendsozialarbeit an der Schule ist die Unterstützung bei der Bewältigung von Konflikten im Schulalltag. Auch hier kommt ein vielfältiges Repertoire zum Einsatz, um zum einen bei akuten Fällen eingreifen zu können, um aber auch strukturell präventiv wirken zu können:

  • Der Jugendsozialarbeiter baut Mediationsgruppen (z.B. Streitschlichter) auf und koordiniert ihre Tätigkeit.
  • Er unterstützt Lehrkräfte, die Konflikte in der Klasse oder akute Krisensituationen im Klassenverband zu bearbeiten haben.
  • Der Jugendsozialarbeiter bietet bei Konflikten unter Schülerinnen und Schülern, zwischen den Schülern und Lehrkräften seine Vermittlung an. Darüber hinaus kann er Projekte zur Gewaltprävention initiieren.

Mitwirkung an Schulprogrammen und an der Schulentwicklung
Jugendsozialarbeiter an der Schule arbeiten in schulischen Gremien am Schulprogramm mit und beteiligen sich aktiv an der Schulentwicklung. Die Fachkraft trägt dazu bei, ein gemeinsames, ganzheitliches Bildungsverständnis zu entwickeln, die speziellen Beiträge der Jugendsozialarbeit zur Schulentwicklung im Schulprogramm zu verankern und in der praktischen Schulentwicklung umzusetzen. Zu diesem Zweck nimmt der Jugendsozialarbeiter auch an Lehrerkonferenzen teil.

Zusammenarbeit Lehrkräfte und Jugendsozialarbeit
Es finden regelmäßige, z.B. monatliche, Jahrgangsstufenkonferenzen statt, an denen die jeweiligen Lehrkräfte einer Jahrgangsstufe und der Jugendsozialarbeiter beteiligt sind. Die Jahrgangsstufenkonferenzen werden in enger Abstimmung mit dem Jugendsozialarbeiter von der Schulleitung einberufen. Beobachtung von aktuellen Entwicklungen, Auswertung von Prozessgeschehen und Planung von weiteren Vorgehensweisen sind hiermit zeitnah und an der Lebenswelt der Schüler orientiert möglich.

Personelle Ausstattung

Das Anforderungsprofil für Fachkräfte, die die Aufgabe der Jugendsozialarbeit an der Schule umsetzen, umfasst Basiswissen, Orientierungswissen, Handlungsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit. Diese sind Voraussetzungen zur Analyse von Arbeitsabläufen, Konflikten und Prozessen und zur erfolgreichen Gestaltung des Arbeitsalltags.

Als Jugendsozialarbeiter an der Mittelschule sind Diplom-Sozialpädagogen mit einem abgeschlossenen Studium an der Fachhochschule geeignet. Sie sollen möglichst Erfahrungen in verschiedenen Bereichen der Jugendhilfe und / oder Jugendarbeit haben. Die Eingruppierung erfolgt in TVöD S 12.

Räumliche Ausstattung

Für den Jugendsozialarbeiter an der Mittelschule ist ein eigener Büroraum mit entsprechender Ausstattung (Schreibtisch, Telefon, Anrufbeantworter, PC mit Internetanschluss, Drucker) erforderlich. Des Weiteren soll er nach Absprache Schulräume nutzen können. Der Ju-gendsozialarbeiter an der Mittelschule bekommt einen uneingeschränkten Zugang zur Schule.

Zusammenarbeit

Der Jugendsozialarbeiter an der Mittelschule arbeitet vertrauensvoll mit der Schulleitung und den Lehrkräften der Schule zusammen. Außerdem hält er engen Kontakt und kooperiert mit:

  • Kinderhort
  • Schulpsychologischen Dienst
  • Suchtberatungsstelle
  • Amt für Jugend und Familie: Kooperation mit dem zuständigen Bezirkssozialarbeiter, Hospitation im ASD, Austauschtreffen der Jugendsozialarbeiter im Landkreis
  • Erziehungsberatungsstelle
  • Polizeidienststelle
  • Bundesagentur für Arbeit
  • Familienhilfe im Landkreis Dachau
  • Brücke e.V.
  • Jugendorganisationen und Vereine mit Jugendarbeit der Gemeinde und des Landkreises

Dienst- und Fachaufsicht für den Jugendsozialarbeiter liegen beim Geschäftsführer des Kreisjugendringes Dachau. Er führt mit diesem regelmäßige Dienstgespräche durch, bei denen die Arbeit reflektiert und die Ziele und Teilschritte seiner künftigen Tätigkeit festgelegt werden.

Nach den Arbeitsvertragsrichtlinien des Kreisjugendringes gilt für eine Vollzeitstelle die 39-Stunden-Woche. Der Urlaub ist in der Regel in den bayerischen Schulferien zu nehmen. Die Dienstzeiten vereinbaren die Schulleitung und der Kreisjugendring gemeinsam. Die gesetzlichen Vorgaben aus dem Arbeitszeitgesetz müssen beachtet werden.

Die pädagogische Fachkraft bildet sich regelmäßig fort und nimmt an Supervision teil.

Beirat, Evaluation

Das Anforderungsprofil für Fachkräfte, die die Aufgabe der Jugendsozialarbeit an der Schule umsetzen, umfasst Basiswissen, Orientierungswissen, Handlungsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit. Diese sind Voraussetzungen zur Analyse von Arbeitsabläufen, Konflikten und Prozessen und zur erfolgreichen Gestaltung des Arbeitsalltags.


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